Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft | Rechtsanwälte

Die Kanzlei für Kapitalanleger

Frankonia Gruppe

Deutsche Frankonia mit
unkalkulierbaren Verlustrisiken

Unter dem Konzerndach der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG verbirgt sich ein Geflecht diverser Tochtergesellschaften. Dazu gehören u.a. die sog. Anlagegesellschaften: Frankonia Direkt AG, Frankonia Wert AG, Frankonia Sachwert AG und die Capital Sachwert Alliance AG & Co. KG mit ihren Beteiligungsfonds 4 und 5. Die Anlagegesellschaften ihrerseits halten Anteile oder stille Beteiligungen an den Investitionsgesellschaften, etwa der Actium Beteiligungs AG und der Frankonia Immobilien Management GmbH. Diese Gesellschaften wiederum investieren in die sog. Zielgesellschaften.

Das Angebot der Frankonia ähnelt der der Göttinger Gruppe. Angeboten wurden zunächst atypisch stille Beteiligungen. Sie hatten steuerrechtlich eine Mitunternehmereigenschaft zur Folge. Solange die Gesellschaft Verluste machte, konnten diese steuermindernd geltend gemacht werden. Nach drei Jahren sollte die Gesellschaft prospektgemäß die Gewinnzone erreichen und der Anleger – aufgrund einer bei Abschluss der Beteiligung erteilten Vollmacht – in das jeweils nächste Segment überwechseln (sog. Steigermodell). Steigevorgänge fanden bisher zweimal statt und führten nach den vertraglichen Vereinbarungen jeweils zu umfangreichen Provisionszahlungen der „neuen“ Gesellschaft an die Vorgängergesellschaft.

Bis Januar 2005 wurden die Beteiligungen der Deutschen Frankonia über die Futura Finanz AG, einem Finanzvertrieb des branchenbekannten Michael Turgut aus Hof mit 3.000 Vermittlern. Mit der Exklusiv-Vermittlung von Frankonia-Produkten verdiente die Futura Finanz ein Vermögen. Allein 2002 sollen es nach Schätzungen von Anlegerinitiativen 33 Mio. EUR gewesen sein.

Nach Aussagen Betroffener verstehen es die Berater ausgezeichnet, das Produkt plausibel darzustellen. Man investiere sein Geld in Beteiligungen, Immobilien und Wertpapiere und müsse keine Steuern mehr zahlen. Zum Beweis dafür zeige der eine oder andere Berater schon mal Kopien von Lohnstreifen, auf denen unter dem Punkt Lohnsteuer „Null“ steht. Aber Vorsicht ist geboten.

Leider nehmen es die Vermittler bei der Empfehlung der Anlagen der Frankonia bisweilen nicht so genau. Sie verschweigen im Beratungsgespräch gern, dass es sich bei einer atypisch stillen Beteiligung bzw. einer Kommanditbeteiligung um eine unternehmerische Beteiligung handelt. Eine Unternehmensbeteiligung ohne jedes Mitspracherecht, ohne Ausstiegsmöglichkeit. Aber mit dem Risiko, alles zu verlieren. Die Beteiligung wird als Altersvorsorge verkauft, obwohl sie mit Totalverlust enden kann.

Dass es die Vermittler bei der Empfehlung der Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG (im Folgenden: CSA-Fonds-5 KG) nicht zu genau nehmen, kann man auch in der Mai-Ausgabe 2004 von FinanzTest nachlesen. Danach wird dem Anleger nicht der 128 Seiten starke Emissionsprospekt, sondern nur ein einfacher Werbeprospekt ausgehändigt. So soll der zuständige Marketingleiter den Außendienstmitarbeitern den „Tipp“ gegeben haben: „Händigen Sie den Emissionsprospekt möglichst nur auf Anfrage aus.“ Kunden würden sich sonst die 14 Seiten Risikoinformation durchlesen. „Und das“, so der Mann, „würde nur zusätzliche Fragen aufwerfen.“

Ehemalige Mitarbeiter der Futura Finanz haben gegenüber PlusMinus (Sendung vom 10.02.2004) bestätigt, dass von einer qualifizierten Beratung keine Rede sein könne. Die Gespräche verliefen in der Regel nach einem genau eintrainierten Protokoll mit dem einzigen Ziel: Dem Kunden eine möglichst hohe Beteiligung bei der Frankonia zu verkaufen. Ein Ex-Vermittler der Futura Finanz AG gegenüber PlusMinus: „Das ist keine Anlagenberatung. Das Ziel ist es, den Kunden auszurauben bis zum letzten Pfennig. Auszubeuten. Und das (Geld), in eine sog. Anlage zu stecken, die Vorteile fingiert, die niemals dem Kunden sein Geld – weder mit Gewinnen, noch überhaupt – mal bringen wird.“

Wohl deshalb sichern sich Vermittler und die Frankonia mit Klauseln in der Beitrittserklärung gegen mögliche Schadensersatzansprüche ab. Kunden müssen unterschreiben, dass sie über alle wichtigen Vertragsinhalte aufgeklärt wurden und den Emissionsprospekt, in dem die Risiken der Anlage stehen, vor Vertragsabschluss erhalten haben.

Die durchschnittliche Beteiligungssumme an der CSA-Fonds-5 KG liegt laut FinanzTest (5/2004) bei rund 24.000,00 EUR. Bevor die CSA-Fonds-5 KG das Anlegergeld investiert, zieht sie erst einmal rund 20 % der gesamten Beteiligungssumme für Kosten ab, die an die verschiedenen Unterfirmen der Frankonia fließen. So soll die Frankonia Direkt AG für den Vertrieb der Beteiligungen 15,9 % des Zeichnungsvolumens an Provisionen erhalten. Hinzu kommen 1,5 % für Marketing- und Anlegerverwaltungskosten, 1,5 % für Prospektkosten und 1,3 % für sonstige Kosten. Nach Angaben der Frankonia entstehen in der bis Ende 2006 laufenden Emissionsphase über 90 Mio. EUR an Kosten. Das sind rund 20 % des gesamten geplanten Beteiligungskapitals von 450 Mio. EUR. Sie fließen in die Taschen von Vermittlern und Initiatoren.

Kritisch sind die Beteiligungen der Frankonia auch insofern zu sehen, als ein Anleger zu Beginn seiner Beteiligung nicht weiß, in welche konkreten Anlageobjekte sein Geld fließen wird („Blindpool“). Das galt bereits in der Vergangenheit und zeigt sich deutlich auch am Emissionsprospekt der CSA-Fonds-5 KG. Dieser benennt lediglich die Investitionsbereiche: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (50 %), börsennotierte Aktien und Anleihen (20 %), offene und geschlossene Immobilienfonds (20 %) und Derivate (10 %). Hinweise auf die Art der Unternehmen, Aktien oder Immobilienfonds finden sich nicht. Die Beteiligungen der Frankonia stellen für den Anleger dementsprechend eine erhebliche Vertrauensinvestition dar.

Laut FinanzTest will die Frankonia für ihre Anleger eine Rendite von durchschnittlich 14,42 % erwirtschaften. Doch das ist aus Sicht von FinanzTest utopisch. Denn selbst wenn die Frankonia die angestrebten Renditen erzielen sollte, bliebe dem Anleger nach Abzug aller Kosten sehr viel weniger. Laut Beispielsrechnungen läge seine Rendite – vor Steuern – nur zwischen 5,1 und 6,5 % bei einer Anlagedauer von 16 Jahren. Aber auch die sind nicht sicher. Denn sicher ist bei unternehmerischen Beteiligungen gar nichts, warnt FinanzTest.

Rückblickend ist festzustellen, dass die Geschäftsberichte der letzten Jahre für die Anleger der Frankonia keinen Anlass zur Freude gegeben haben. In fast 8 Jahren wurde bisher kein nennenswerter Gewinn erwirtschaftet. Stattdessen traten ungewöhnlich viele Insolvenzen ein. Systracom AG, Cargolifter AG, der Kursverfall der Aktien der WCM AG und das Engagement bei der Körber Kunststoff Technik GmbH in Braunschweig seien hier nur beispielhaft genannt. Die Anlagepolitik der Frankonia – so Experten – sei ein Desaster. Ausweislich der Bilanz hat allein ihr wichtigstes Unternehmen, die Sachwert AG, den Anlegern bei 90 Mio. EUR Einnahmen über 77 Mio. EUR als Verluste zugewiesen.

Nach der bisherigen Geschäftsentwicklung zu beurteilen, dürfte das Risiko des Totalverlustes oder sehr geringer Renditen auf der Hand liegen. Für die atypisch stillen Gesellschafter besteht darüber hinaus die Gefahr, im Falle einer Insolvenz auf Rückgewähr getätigter Entnahmen zu haften und offene Raten weiterzahlen zu müssen. Als Altersvorsorge ist das völlig ungeeignet.

Häufig werben unseriöse Anbieter auch mit Prominenten. Die Frankonia zum Beispiel mit Lothar Späth und früher auch mit dem zwischenzeitlich verstorbenen Ex-Minister Günter Rexrodt. Und im Vorstand sitzt Rudolf Döring, der Bruder des FDP-Wirtschaftsministers von Baden-Württemberg. Alles Politiker, die für die Privatisierung der Altersvorsorge eintreten.

 

 



Referenzen


Wieder Spitzenplatz für hrp
»JUVE-Handbuch 2009/2010


» Focus-Anwaltsliste

hrp Podcast

hrp-Podcast hrp-Podcast
Ratgeber für Kapitalanleger

mehr...

hrp-Veröffentlichungen

JUVE-Handbuch 2009/2010:
Rechtliche Lösungsansätze zum vorzeitigen Ausstieg bei Schiffsbeteiligungen mehr...

Aktuelle Veranstaltungen:

Telefonische Informationswoche vom 01. März - 05. März 2010 zum Medienfonds Kaledo III... mehr

Aktuelle Themen

DG-Fonds: Hahn Rechtsanwälte erstreitet beim OLG Stuttgart positives Urteil ... mehr
 

OLG Frankfurt a.M. bestätigt auch beim DG-Fonds Nr. 35 Prospektfehler ... mehr

Erster Durchbruch bei den DG-Fonds  - OLG Frankfurt a.M. verurteilt DZ Bank AG u.a. zu Schadensersatz! ... mehr

Kick-Back-Rechtsprechung
- Ein Meilenstein im Anlegerschutz - ... mehr

Zertifikate von Lehman Brothers: Beraterhaftung möglich ... mehr

Zertifikate: Chancen und Risiken... mehr

Checkliste für Zertifikate-Inhaber... mehr

Kontakt

Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft

Am Kaiserkai 10
20457 Hamburg

Marcusallee 38
28359 Bremen

Tel.: (01805*)- 246 85 - 0
Fax: (01805*)- 246 85 - 11
*üblicher Festnetztarif

E-Mail: info@hahn-rechtsanwaelte.de