Nach dem Madoff-Skandal ermittelt die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC in einem weiteren Milliardenbetrugsfall der Finanzbranche. “Sir” Allen Stanford und seine Stanford International Bank Ltd. (SIB) mit Sitz in Antigua, einer Steueroase in der Karibik, werden beschuldigt, 30.000 Kunden aus 131 Ländern betrogen zu haben. Es ist von einem Schaden von mindestens 8 Mrd. USD auszugehen. Kunden von Festgeldanlagen (certificate of deposits [CD’s]) wurden mit überhöhten Renditeversprechungen bzw. angeblich erzielten Renditen angelockt. Neben US-amerikanischen Anlegern kommen die geschädigten Kunden aus Mittel- und Südamerika sowie aus Europa.
Die SEC wirft Stanford vor, seinen Kunden eine sichere Anlage mit konstant hoher Rendite versprochen zu machen. Die SIB bot seit mehr als 15 Jahren so genannte “Certificates of Deposits” (CD) an. Die Anlagen kennen US-Bürger als Festgeldanlage, die allerdings von heimischen Banken mit deutlich niedrigeren Zinsen angeboten werden. Von den Ermittlungen der SEC sind drei Firmen, neben der SIB die Stanford Group Company (SGC) und die Stanfort Capital Management LLC (SCM) betroffen (siehe Klageschrift der SEC vom 16.02.2009). Unzutreffenderweise hatte Stanford seinen Kunden erklärt, das Kundengeld werde nur in stets handelbare Wertpapiere investiert und das Gesamtportfolio von den Aufsichtsbehörden in Antigua überwacht. Tatsächlich wanderten 90 % des Portfolios in eine “Black Box”, zu der kein Aufseher Zugang hatte. Die Investitionen erfolgten hauptsächlich in Immobilien und Private Equity.
Um zu verhindern, dass weitere Gelder abgezogen wurden, wurden die drei Firmen unter Zwangsverwaltung gestellt. Die SEC hat am 17.02.2009 bei einem Gericht in Dallas/Texas die Einfrierung aller Vermögenswerte der SGC und die Ernennung eines Zwangsverwalters beantragt.
Die Stanford-Gruppe unterhielt weltweit zahlreiche Büros, u.a. auch eine Verkaufsstelle in Zürich/Schweiz. Hahn Rechtsanwälte wird seine Arbeit
auf eine mögliche Durchsetzung von Ansprüchen der geschädigten Anleger aus Europa – insbesondere aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz – konzentrieren.