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Zertifikate: Chancen und Risiken

Was sind Zertifikate?

 

Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Der durchschnittliche Anleger kann aber auch aus dieser Umschreibung wenig weiteren Erkenntnisgewinn ziehen. Bei Inhaberschuldverschreibungen verspricht der Emittent dem Anleger am Laufzeitende eine bestimmte Zahlung entsprechend der jeweiligen Zertifikate-Bedingungen. Dabei nimmt das Zertifikat Bezug auf ein Basisobjekt, beispielsweise auf einen Index wie den DAX oder den EuroSTOXX. Das Zertifikat verhält sich proportional zu diesem Basiswert. Steigt also der Kurs um eine bestimmte Prozentzahl, steigt auch der Wert des Zertifikates entsprechend proportional dazu und umgekehrt (Indexzertifikat). Es sind also Gewinne und Verluste genauso wie beim Basisobjekt denkbar, es sei denn, es handelt sich um ein Garantiezertifikat.  Daneben existieren auch solche Zertifikate, die einen Korb von Aktien (sog. Basket-Zertifikate) oder eine Einzelaktie abbilden. Daneben gibt es auch sog. Themen- oder Strategiezertifikate, die auf verschiedensten Finanzmarktinstrumenten wie bspw. Optionsscheinen und Futures basieren.

 

Insgesamt werden höchst unterschiedlich strukturierte Zertifikate angeboten, die mehr oder weniger verständlich und durchschaubar sind. Auch bei den Zertifikaten lassen sich solche unterscheiden, die eher für sicherheitsbezogene Anleger geeignet sind und solche, die sich an risikobewußte und risikobereite Anleger richten. Die Bandbreite ist auch bei den Zertifikaten extrem und reicht von Garantiezertifikaten bis hin zu höchst spekulativen Zerifikaten mit Hebelwirkung und Knock-Out-Komponente (z.B. LIF-Zertifikate,  Turbo-BLOC-Zertifikate). Letztere sind höchst spekulativ und führen bei Unterschreiten der Knock-Out-Schwelle zu einem Totalverlust.

 

Der Handel über die Börse erfolgt über das sog. „Market-Making“ d.h. die Emittenten stellen ständig Ankaufs- und Verkaufskurse ein. Dabei ist der Verkaufskurs, zu dem der Emittent Kaufaufträge abwickelt (Briefkurs) höher als der sog. Geldkurs, also der Kurs, zu dem der Emittent die Verkaufsaufträge der Kunden bedient. Diese Differenz nennt man Spread.

 

 

Funktionsweise von Zertifikaten

 

Auf dem Markt existieren eine Vielzahl von Zertifikaten mit höchst unterschiedlicher Funktionsweise. Bei sämtlichen Zertifikaten wird jedoch auf ein Bezugsobjekt als Referenz abgestellt.

 

Zu den klassischen Formen zählen die sog. Index-Zertifikate. Diese nehmen Bezug auf bestimmte Indizies, etwa den DAX oder den EUROSTOXX. Das Zertifikat bildet diesen Markt bzw. Index in seiner Gesamtheit ab. Steht der Index bspw. bei 2.000 Punkten, so steht der Kurs für ein Zertifikat ebenfalls bei 2.000,00 €. Fällt der Index bspw. um 5%, so fällt folglich auch der Kurz des Zertifikats um 5,00 €. Entsprechendes gilt bei Kurssteigerungen.

 

Bei derartigen Index-Zertifikaten existieren oftmals auch sog. Caps. Dabei ist der Kursanstieg des Zertifikats auf eine bestimmte Summe begrenzt. Bei Index-Zertifikaten, die nicht als Garantie-Zertifikate ausgestaltet sind, trägt der Zertifikate-Inhaber grundsätzlich auch das Verlustrisiko. Sinkt der Index, so verliert auch das Zertifikat proportional entsprechend an Wert.

 

Sog. Basket-Zertifikate nehmen nicht Bezug auf sog. Indizies, sondern auf einen Korb von verschiedenen Aktienwerten. Sofern das Wechselkursrisiko zusätzlich abgesichert wird, spricht man von sog. Quanto-Zertifikaten. Bei diesen Quanto-Zertifikaten übernimmt der Emittent das sog. Währungsrisiko.

 

„Beliebt“ sind auch die sog. Discount-Zertifikate. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass der Zertifikateinhaber das Recht auf eine Aktie erwirbt, die er allerdings zu einem späteren Zeitpunkt erhält. Bei diesen Discount-Zertifikaten wird dem Kunden ein Preisnachlass auf den aktuellen Börsenkurs gewährt. Dieser „Risikopuffer“ bewahrt den Zertifikate-Inhaber zumindest vor Kursverlusten in Höhe der Differenz des Einkaufspreises zu dem aktuellen Kurswert (sog. Sicherheitspuffer). Derartige Zertifikate werden auch unter dem Namen „BLOC“ angeboten.

 

Auf die Garantie-Zertifikate wird sogleich noch näher zurückzukommen sein.

 

Neben diesen relativ einfach strukturierten Zertifikaten existieren auch solche, die höchst spekulativ sind und bei Unterschreiten einer bestimmten Schwelle sogar zum Totalverlust führen können. Das Risiko ist bei derartigen Zertifikaten um ein Vielfaches höher, da der Zertifikate-Inhaber nicht nur an den Kursverlusten teilnimmt, sondern bei Unterschreiten des Basispreises einen Totalverlust erleidet. Diese Zertifikate werden z. B. als Turbo-Zertifikate bezeichnet. Sie sind höchst spekulativ und u.E. für den durchschnittlichen Anleger nicht geeignet.

 

Speziell: Garantiezertifikate

 

Da bei den herkömmlichen Zertifikaten immer auch ein Kursrisiko besteht, haben zahlreiche Emittenten sog. Garantie-Zertifikate auf den Markt gebracht. Die Garantie-Zertifikate setzen sich aus einer Garantie- und einer Performancekomponente zusammen. Dabei wird am Laufzeitende garantiert, dass der Emissionspreis bei Fälligkeit erreicht wird. Der Anleger hat dementsprechend am Laufzeitende kein Kursrisiko. Voraussetzung ist allerdings, dass das Garantie-Zertifikat bis zum Laufzeitende gehalten wird. Sollte das Zertifikat vor Laufzeitende verkauft werden, ist der dann aktuelle Kurs maßgebend, so dass auch bei Garantie-Zertifikaten bei vorzeitigem Verkauf Verluste möglich sind. Daneben besteht – wie bei Zertifikaten generell – das Emittentenrisiko. Geht der Emittent pleite (siehe auch Lehman Brothers), muss auch der Anleger mit einem kompletten Ausfall rechnen.

 

Bei den Garantie-Zertifikaten unterscheidet man zwischen Bonus-Zertifikaten, Partizipations-Zertifikaten, Rainbow-Zertifikaten, Volatilitätszertifikaten und Alpha-Zertifikaten.

 

 

Welche Risiken sind mit Zertifikaten verbunden?

 

Je nach Struktur des jeweiligen Zertifikats bestehen diverse Risiken, die wir im Folgenden kurz überblickartig zusammenstellen wollen.

 

Zunächst besteht für sämtliche Zertifikate - mit Ausnahme der Garantie-Zertifikate - auch ein Kursrisiko. Da das Zertifikat ein Basisobjekt abbildet, trägt auch der Zertifikate-Inhaber das jeweilige Verlustrisiko des abgebildeten Basisobjektes, etwa eines Indizies. Die Möglichkeit, Gewinnoptimierung zu betreiben, beinhaltet auf der anderen Seite das Risiko, auch an den Kursverlusten teilzunehmen.

 

Bei spekulativeren Zertifikaten tritt zudem noch ein Totalausfallrisiko hinzu, wenn der Basispreis unterschritten wird.

 

Wer Zertifikate von Lehman Brothers erworben hat, wird aktuell mit dem sog. Insolvenzrisiko des Emittenten konfrontiert (Emittentenrisiko). Da Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, verspricht der Emittent dem Anleger am Laufzeitende eine Geldzahlung entsprechend der Zertifikatebedingungen. Der Zertifikate-Inhaber muss in diesem Fall das Risiko des Ausfalls des Emittenten tragen. Die Einlagensicherungseinrichtungen greifen für diesen Fall nicht ein.

 

Anlageinteressenten sollten sich daher in jedem Fall vor der Investition in Zertifikate auch über die Bonität des jeweiligen Emittenten informieren. Dazu gibt es verschiedene Ratingagenturen, etwa Standard & Poors (S & P) oder Moody´s.

 

Aus Anlegersicht ist auch das Endfälligkeitsrisiko nicht zu vernachlässigen. Anleger bekommen zum Zeitpunkt der Endfälligkeit das Geld ausgezahlt unabhängig davon, ob der Basiswert zu diesem Zeitpunkt im Gewinn oder Verlust ist. Der Zertifikate-Anleger hat daher im Verlustfall keine Möglichkeit, das Zertifikat zu behalten und zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen. Sollte keine Reinvestitionsmöglichkeit in ein gleichgerichtetes Zertifikat gegeben sein, so hat der Zertifikate-Inhaber einen Verlust hinzunehmen.

 

Bei Zertifikaten handelt es sich um höchst komplexe Anlageprodukte, die einer intensiven Beratung bedürfen. Hier fehlt(e) es oft bereits schon an einer ausreichenden und ordnungsgemäßen Beratung. Wichtig ist auch bei Zertifikaten: Das ausgewählte Zertifikat muss dem jeweiligen Anlageziel und der Risikoneigung des jeweiligen Anlageinteressenten entsprechen.

 

Anleger sollten ihr Portfolio entsprechend prüfen lassen. Weitere interessante Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter „Falle“ und dort unter „Wertpapiergeschäfte“.

 

 

 



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