Gerd B. ist 70 Jahre alt. 1992 kaufte er bei der Volksbank in Haiger für damals 90.000,00 DM drei geschlossene Immobilienfonds. Der Rentner dachte hauptsächlich an seine Altersvorsorge. Doch jetzt muss er feststellen: Alle drei Fonds sind im Keller. Sein Geld muss er voraussichtlich abschreiben. Gemeinsam mit 400 anderen Betroffenen demonstrierte der Rentner deswegen vergangenes Jahr vor der DZ Bank in Frankfurt.
Wie Gerd B. geht es auch einer 76-jährigen Rentnerin aus Buseck im Kreis Gießen. Die Frau hatte in den neunziger Jahren umgerechnet 100.000,00 Euro angelegt. Auch dieses Geld ist so gut wie weg. Doch die beiden sind keine Einzelfälle. Bundesweit haben geschätzte 20.000 Volksbankkunden durch geschlossene Immobilienfonds hohe Verluste erlitten, einige Dutzend davon in Mittelhessen. Mehr als 900 Betroffene werden von der Bremer Rechtsanwältin Dr. Petra Brockmann vertreten:
„Die Mandanten haben fast durchgängig bestätigt, dass sie eine zusätzliche Altersvorsorge abschließen wollten. Ihnen kam es vor allem darauf an, dass das Geld sicher angelegt ist.“
Und genau das sei ihnen von den Beratern auch bestätigt worden. In den meisten Fällen hätten dabei nicht die Kunden nach den Produkten gefragt – im Gegenteil: Die Fonds seien ihnen von den Bankmitarbeitern empfohlen worden. Offenbar, weil die auf die Provisionen geschielt hätten. Bei den Volksbanken in der Region wird dies zurückgewiesen: Bei den betroffenen Kunden handele es sich meistens um eher wohlhabende Personen. Außerdem habe die Altersvorsorge in den Kundengesprächen nur eine untergeordnete Rolle gespielt, sagt Gerhard Kreiling von der Volksbank in Heuchelheim:
„Eher ging es um Steuervorteile, die mit den Fonds verbunden waren, eher ging es hier um die Rendite, die wir prognostiziert haben, die unsere Zentralbank auf damals vorliegenden Daten solide prognostiziert hat. Dass die letztendlich nicht eingetreten sind, liegt zum großen Teil am Markt.“
Nämlich, dass die meisten Anlageobjekte in Ostdeutschland leer stehen und bei Weitem nicht die erwarteten Mieten erzielen. Allerdings hätten die Berater schon in den neunziger Jahren wissen müssen, dass es sich bei den geschlossenen Immobilienfonds um sehr riskante Produkte handelt und die überhaupt nicht in das Portfolio gerade älterer, sehr sicherheitsbewusster Kunden passen. Das glaubt jedenfalls Rechtsanwältin Brockmann. Sie wirft daher den Banken eine gewisse Mitschuld vor.
„Geschlossene Immobilienfonds sind generell nicht als ergänzende Altersvorsorge geeignet. Bei diesen Fonds handelt es sich immer um höchst riskante Engagements, weil das eingezahlte Geld verloren gehen kann.“
Und das droht jetzt auch den Kunden der mittelhessischen Volksbanken. Auf Nachfrage haben die Institute in Heuchelheim und Wetzlar bestätigt, dass einige wenige Kunden entsprechende Fonds gezeichnet haben. Bei der Volksbank Mittelhessen – als größte Genossenschaftsbank der Region – hieß es dazu nur kurz: kein Kommentar. In den meisten Fällen seien bereits Gespräche mit den Kunden geführt worden – wie bei der Volksbank Heuchelheim.
In Wetzlar hat die Volksbank ihren Kunden schon Angebote zur Zurücknahme der Fonds vorgelegt. Rechtsanwältin Brockmann rät den Kunden allerdings, diese Angebote genau zu prüfen:
„In jedem Fall gilt: Man sollte sich, bevor man vorschnell solche Angebote annimmt, besser vorher beraten lassen. Wir gehen davon aus, dass die Angebote noch lange nicht ausgereizt sind und wir auf Dauer noch sehr viel bessere Angebote erreichen werden.“
Gleichzeitig versucht die Bremer Juristin, für ihre Mandanten auf dem Rechtsweg das Geld zurück zu bekommen. Und dafür sieht sie auch gute Chancen:
„Wir haben, gestützt auf die Sachverständigengutachten, zahlreiche Prospektfehler, wir haben zahlreiche Pflichtverletzungen, so dass wir optimistisch sind, diese Ansprüche auch durchsetzen zu können.“
zurück